Ich hab mal nebenbei versucht, einen wichtigen Report zu schreiben, während ich nebenher eine Podcast-Folge hörte und kurz auf Slack checkte. Nach einer Stunde hatte ich drei angefangene Absätze, null echte Fortschritte und ein schlechtes Gewissen. Genau das ist das Problem: Multitasking fühlt sich produktiv an, ist es aber nie – es ist nur Task-Switching, das dein Gehirn auslaugt.
Eine Sache nach der anderen: Warum Multitasking dich ausbremst

Hör auf zu multitasken, indem du deine Aufgaben priorisierst, Zeitblöcke für eine Sache reservierst, Ablenkungen eliminierst und dir bewusst machst, dass dein Gehirn nicht für parallele Arbeit gemacht ist. Beginne mit der Pomodoro-Technik und einem Notizbuch für Gedanken.
"Vor zwei Jahren saß ich in einem Großraumbüro mit offenen Fenstern, ständigem Geplapper und fünf gleichzeitig offenen Browsertabs. Ich dachte, ich wäre der Multitasking-König. Bis mein Chef mich nach einem Meeting fragte: 'Was hast du heute eigentlich geschafft?' Ich musste passen. Danach hab ich angefangen, systematisch eine Sache nach der anderen zu machen – und meine Produktivität verdoppelte sich innerhalb von zwei Wochen."
Unser Gehirn ist nicht gebaut für mehrere Dinge gleichzeitig. Wenn du zwischen Aufgaben hin- und herspringst, braucht es jedes Mal 20–30 Minuten, um wieder in den Fokus zu kommen. Das bestätigt eine Studie von Gloria Mark an der University of California (2015): Unterbrechungen kosten im Schnitt 23 Minuten pro Störung. Standard-Ratschläge wie 'mach eine To-Do-Liste' helfen nicht, weil sie ignorieren, dass wir süchtig nach dem Dopamin-Kick des Hin- und Herspringens sind.
🔧 5 Lösungen
Arbeite in 25-Minuten-Blöcken an genau einer Aufgabe, ohne Ablenkung.
-
1
Aufgabe auswählen — Wähle genau eine Sache, die du heute abschließen willst – z.B. 'E-Mail-Postfach aufräumen' oder 'Excel-Tabelle fertigstellen'.
-
2
Timer auf 25 Minuten stellen — Nutze einen Küchenwecker oder eine App wie die 'Focus Keeper'-App (kostenlos). Kein Handy in der Hand – der Timer tickt hörbar.
-
3
Nur diese eine Sache tun — Keine anderen Tabs öffnen, kein Slack-Check, kein Telefon. Wenn dir ein Gedanke kommt, notiere ihn auf einem Zettel und mach weiter.
-
4
Nach 25 Minuten 5 Minuten Pause — Steh auf, streck dich, hol Wasser. Nach vier Pomodori machst du eine längere Pause von 15–30 Minuten.
Entferne alle visuellen und digitalen Ablenkungen aus deinem Arbeitsbereich.
-
1
Handy in eine andere Zone legen — Leg dein Smartphone in eine Schublade oder in ein anderes Zimmer. Am besten mit Flugmodus. Falls du es brauchst, nutze den 'Forest'-App-Timer (ca. 2€).
-
2
Browser-Tabs schließen — Schließe alle Tabs, die nicht zur aktuellen Aufgabe gehören. Nutze die Chrome-Erweiterung 'OneTab', um alles in eine Liste zu packen.
-
3
Kopfhörer mit aktivem Noise-Cancelling aufsetzen — Selbst wenn niemand redet – die Stille hilft. Ich nutze 'Sony WH-1000XM5' (ca. 350€), aber günstigere wie 'Anker Soundcore Life Q30' (ca. 60€) tun es auch.
-
4
Arbeitsfläche freiräumen — Lass nur das liegen, was du für die aktuelle Aufgabe brauchst: Laptop, Notizblock, Stift. Alles andere kommt in eine Kiste oder in den Schrank.
Erledige sofort, was weniger als zwei Minuten dauert, statt es auf eine Liste zu setzen.
-
1
Erkenne eine Kleinstaufgabe — Wenn dir etwas einfällt wie 'kurze Antwort an Kollegen' oder 'Termin eintragen' – check, ob es unter 120 Sekunden erledigt ist.
-
2
Mach es sofort — Öffne keine neuen Tabs, sondern erledige es direkt. Kein 'später', kein 'erst mal notieren'.
-
3
Kein Multitasking dabei — Auch bei einer Zwei-Minuten-Aufgabe: mach nur das. Nicht gleichzeitig E-Mails checken oder nebenher telefonieren.
Notiere ablenkende Gedanken auf einem Zettel, statt ihnen nachzugehen.
-
1
Lege einen Notizblock bereit — Ein einfacher A5-Block oder ein Bullet Journal – wichtig: nur für diesen Zweck. Ich nutze den 'Moleskine Classic Notizbuch' (ca. 15€).
-
2
Schreibe jeden störenden Gedanken auf — Wenn dir während der Arbeit einfällt, dass du noch Brot kaufen musst oder eine Idee für ein anderes Projekt hast – sofort notieren, nicht ausführen.
-
3
Nach der Fokusphase abarbeiten — Nach dem Pomodoro oder am Ende des Tages gehst du die Liste durch und entscheidest, was wirklich dran ist. Oft ist die Hälfte unwichtig.
Fasse ähnliche Aufgaben zu Blöcken zusammen und erledige sie nacheinander.
-
1
Liste alle Aufgaben einer Woche auf — Schreibe alles auf, was ansteht: E-Mails, Telefonate, Berichte, Besorgungen.
-
2
Gruppiere nach Ähnlichkeit — Alle E-Mails in einen Block (z.B. 9:00–9:30), alle Telefonate in einen anderen (10:00–10:30), alle kreativen Aufgaben (Schreiben, Entwerfen) in den Vormittag.
-
3
Weise feste Zeitfenster zu — Plane in deinem Kalender: 'E-Mails 9–10', 'Rückrufe 10–11', 'Projektarbeit 11–12:30'. Keine Mischung.
-
4
Halte die Blöcke strikt ein — Wenn jemand in der 'E-Mail-Zeit' anruft, geh nicht ran. Wenn in der 'Projektzeit' eine E-Mail kommt, ignorier sie. Nach dem Block hast du Zeit für Unerwartetes.
Wenn du trotz aller Methoden das Gefühl hast, dass dein Gehirn ständig abschweift und du dich nicht mal 5 Minuten konzentrieren kannst, könnte eine Aufmerksamkeitsstörung wie ADHS im Erwachsenenalter dahinterstecken. Ein Psychiater kann das abklären. Auch wenn dich das Multitasking so stresst, dass du körperliche Symptome wie Kopfschmerzen oder Schlafprobleme bekommst, solltest du dir professionelle Hilfe suchen.
Multitasking aufgeben ist kein einmaliger Entschluss, sondern ein tägliches Training. Am Anfang wirst du dich dabei ertappen, wie du doch wieder zwischen drei Dingen hin- und herspringst – das ist normal. Wichtig ist, dass du immer wieder bewusst zu einer Sache zurückkehrst. Die Pomodoro-Technik und der Gedanken-Parkplatz haben mir persönlich am meisten geholfen. Fang mit einem 25-Minuten-Block heute an – mehr nicht.
💬 Teile deine Erfahrung
Teile deine Erfahrung — das hilft anderen in der gleichen Situation!