Sechs Wochen nach der Geburt unserer Tochter lag ich neben meinem Mann im Bett und hatte das Gefühl, einen Fremden neben mir zu haben. Nicht, weil wir uns entfremdet hatten – sondern weil ich mich in meinem eigenen Körper nicht mehr zuhause fühlte. Die Schmerzen beim ersten Versuch waren so heftig, dass ich wochenlang Angst vor Nähe hatte. Und mein Mann? Der wusste nicht, ob er mich überhaupt anfassen durfte.
Wie wir nach dem Baby wieder zueinanderfanden – ehrliche Tipps

Intimität nach der Geburt braucht Zeit, Geduld und offene Gespräche. Fangt mit kleinen Berührungen an, plant bewusst Zeit zu zweit ein und holt euch Hilfe bei anhaltenden Schmerzen.
"Nach der Geburt meiner Tochter (mit Dammschnitt und 12 Stichen) dauerte es fast ein Jahr, bis wir wieder regelmäßig Sex hatten. Der Wendepunkt war, als ich meinem Mann sagte: 'Fass mich einfach mal an, ohne dass es gleich zum Sex führen muss.' Seitdem haben wir eine neue Sprache der Berührung gelernt."
Die meisten Ratgeber sagen: 'Wartet die sechs Wochen ab, dann geht's wieder.' Aber sie verschweigen, dass selbst nach der körperlichen Heilung oft die Lust fehlt. Stillhormone machen die Scheide trocken, Schlafmangel killt jedes Verlangen, und viele Frauen haben Narbenschmerzen oder ein gestörtes Körpergefühl. Männer fühlen sich oft zurückgewiesen und ziehen sich zurück – ein Teufelskreis.
🔧 5 Lösungen
Nehmt euch bewusst Zeit für Berührungen, die nicht zum Sex führen müssen.
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Sprecht eine 'Kein Sex heute'-Regel ab — Sagt klar: 'Heute geht es nur um Berührung, nicht um Sex.' Das nimmt den Druck raus.
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Massiert euch gegenseitig die Füße — Setzt euch aufs Sofa, nehmt Fußcreme (z.B. mit Lavendel) und massiert euch 5 Minuten lang – ohne Hintergedanken.
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Übt Kuscheln im Bett — Legt euch nackt (oder in Unterwäsche) nebeneinander, haltet euch einfach. Spürt die Wärme, ohne zu streicheln.
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Gebt Feedback — Sagt, was sich gut anfühlt: 'So sanft mag ich es' oder 'Drück fester'. So lernt ihr euren neuen Körper kennen.
Holt euch ein hochwertiges Gleitgel und verwendet es großzügig – ohne Scham.
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Kauft ein Gleitgel auf Wasserbasis — Empfehlung: 'Durex Naturals Gleitgel' oder 'Eros Water Based' – ohne Parfüm, ohne Reizstoffe.
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Stellt es neben das Bett — Legt es offen hin, damit es nicht erst gesucht werden muss. Das signalisiert: Sex ist erlaubt, auch wenn es klebt.
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Verwendet schon beim Vorspiel Gleitgel — Nicht erst kurz vor dem Sex – tragt es früh auf, damit ihr euch entspannt und Schmerzen vermeidet.
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Sprecht darüber — Sagt: 'Ich bin noch trocken, lass uns das Gel nehmen' – das ist kein Zeichen von mangelnder Erregung, sondern von Selbstfürsorge.
Plant feste Dates zu Hause, bei denen das Baby versorgt ist.
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Tauscht mit einer anderen Familie Babysitting — Fragt befreundete Eltern: 'Ihr nehmt unsere Kleine Samstag von 14-16 Uhr, wir nehmen eure am Sonntag.' Das kostet nichts.
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Macht das Wohnzimmer babyfrei — Räumt Spielzeug weg, zündet Kerzen an, legt leise Musik auf. So entsteht eine Atmosphäre wie vor dem Kind.
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Redet über alles außer dem Baby — Vereinbart: 'Erste 30 Minuten kein Wort über Windeln oder Schlaf.' Erzählt von euren Hobbys, Träumen oder lest eine Kurzgeschichte vor.
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Schließt die Tür ab — Wörtlich. Das gibt Sicherheit, dass niemand reinkommt – und ihr könnt laut sein oder weinen, wenn ihr müsst.
Arbeitet an eurem Körpergefühl durch Spiegelübungen und Affirmationen.
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Stellt euch nackt vor den Spiegel — Tut das allein, wenn ihr euch traut. Betrachtet euren Körper 1 Minute lang ohne Wertung.
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Berührt eure Narben — Massiert Kaiserschnitt- oder Dammnarben vorsichtig mit Narbencreme (z.B. 'Contractubex'). Das entkrampft und macht sie weniger empfindlich.
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Sprecht positive Sätze laut aus — Sagt: 'Mein Körper hat ein Kind geboren. Er ist stark. Ich darf stolz sein.' Auch wenn es sich erst komisch anfühlt.
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Macht es mit Partner — Steht zusammen nackt vor dem Spiegel. Dein Partner legt die Hände auf deine Schultern und sagt, was er an dir schön findet – ohne Berührung der Intimzonen.
Sucht bei anhaltenden Schmerzen eine Fachperson auf – Hebamme, Physiotherapeutin oder Gynäkologin.
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1
Vereinbart einen Termin bei einer Frauenärztin — Sagt direkt am Telefon: 'Ich habe Schmerzen beim Sex nach der Geburt, ich brauche eine Untersuchung.' Die meisten Praxen nehmen das ernst.
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Geht zur Rückbildungsgymnastik — Auch wenn der Kurs offiziell vorbei ist – viele Physiotherapeutinnen bieten Einzelstunden für Beckenbodentraining an. Das stärkt die Muskulatur und reduziert Schmerzen.
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Fragt nach einer Überweisung zur Beckenbodenphysiotherapie — Dort gibt es spezielle Übungen (z.B. mit Biofeedback-Geräten), die Verspannungen lösen.
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Testet eine Sexologin oder Paartherapeutin — Manche Krankenkassen übernehmen die Kosten. Sucht nach 'Sexualtherapie nach Geburt' in eurer Stadt.
Wenn die Schmerzen beim Sex länger als 6 Monate anhalten oder ihr beide unter der Situation leidet, sucht professionelle Hilfe. Auch wenn einer von euch keine Lust mehr hat und das schon über ein Jahr so geht – das ist kein normaler 'Tiefpunkt', sondern ein Zeichen, dass ihr Unterstützung braucht. Eine Paartherapie oder Sexualberatung kann Wunder wirken, und viele Krankenkassen zahlen sogar.
Es ist völlig normal, dass der Sex nach der Geburt anders ist – und manchmal auch erstmal ausfällt. Bei uns hat es fast zwei Jahre gedauert, bis wir wieder ein erfülltes Sexleben hatten. Und es ist immer noch nicht wie vor dem Kind. Aber es ist besser geworden, weil wir gelernt haben, anders miteinander zu schlafen: langsamer, mit mehr Reden, mit mehr Lachen. Und ja, mit Gleitgel. Gebt euch Zeit – und vor allem: Gebt euch die Erlaubnis, es genau so zu machen, wie es für euch passt.
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