Letzte Woche saß ich mit einer Freundin im Café. Sie flüsterte: „Ich trau mich nicht, ihm zu sagen, dass ich mehr Vorspiel brauche.“ Dabei sind sie seit fünf Jahren zusammen. Genau das ist das Problem: Je länger man ein Paar ist, desto schwerer fühlt es sich an, das Offensichtliche auszusprechen. Dabei ist Sex ja nicht das Problem – es ist das Schweigen darüber.
Reden über Sex: Warum es schwerfällt und wie es leichter wird

Sprechen Sie über Sex, indem Sie einen ruhigen Moment wählen, Ich-Botschaften nutzen und mit Komplimenten beginnen. Üben Sie vorher allein vor dem Spiegel.
"Nach drei Jahren Beziehung mit meinem Freund merkte ich, dass ich immer seltener Lust hatte. Statt zu reden, hab ich einfach so getan, als wäre ich müde. Bis ich eines Abends nach einer Weinflasche (einem guten Roten aus der Pfalz, Jahrgang 2019) platzte: „Ich mag deine Finger nicht, wenn du mich anfasst.“ Er war erst gekränkt, aber dann haben wir wirklich geredet."
Die meisten von uns haben nie gelernt, über Sex zu sprechen. Weder in der Schule noch zu Hause. Und dann sind da diese stillen Erwartungen: dass der Partner wissen müsste, was einem gefällt. Aber Gedankenlesen ist kein Liebesspiel. Standardtipps wie „Sei einfach ehrlich“ helfen nicht, wenn man nicht weiß, wie man anfängt.
🔧 5 Lösungen
Nicht im Bett oder nach einem Streit sprechen, sondern beim Spaziergang oder Kochen.
-
1
Einen ruhigen Termin finden — Setzt euch bewusst am Nachmittag aufs Sofa, wenn ihr beide entspannt seid. Kein Fernseher, keine Handys.
-
2
Mit einer positiven Eröffnung starten — Sag: „Ich hab neulich an uns gedacht und fand die letzte Nacht richtig schön. Ich würde gern noch mehr davon haben – und zwar so, dass es uns beiden gut geht.“
-
3
Das Gespräch kurz halten — Rede nicht länger als 10 Minuten. Sag: „Lass uns morgen noch mal drüber quatschen, wenn wir es verdaut haben.“
Vermeide „Du machst nie…“ und formuliere Wünsche als eigene Gefühle.
-
1
Satzanfang üben — Statt „Du kümmerst dich nie um meine Bedürfnisse“ sag: „Ich wünsche mir mehr Zeit für Vorspiel, weil ich mich dann begehrter fühle.“
-
2
Vor dem Spiegel proben — Stell dich vor den Spiegel und sag deinen Satz fünfmal. So hörst du selbst, wie es rüberkommt.
-
3
Nachfragen erlauben — Nach deiner Aussage frag: „Wie geht es dir damit? Ich will nichts überstülpen.“ So bleibt es ein Gespräch auf Augenhöhe.
Erzähl eine erotische Fantasie, um das Thema spielerisch zu öffnen.
-
1
Eine harmlose Fantasie wählen — Sag: „Ich hab letztens geträumt, wir würden im Wald … – fändest du das komisch?“ Das ist weniger bedrohlich als eine direkte Forderung.
-
2
Die Reaktion abwarten — Lass deinen Partner erst mal reagieren. Vielleicht lacht er oder wird rot. Beides ist okay.
-
3
Nachhaken, wenn es passt — Wenn er interessiert guckt, frag: „Gibt es was, wovon du träumst? Ich würde es gern hören.“
Leg ein Buch oder eine Zeitschrift übers Sexleben auf den Nachttisch und sprich eine Stelle an.
-
1
Ein passendes Buch besorgen — Hol dir zum Beispiel „Komm wie du willst“ von Emily Nagoski. Es ist wissenschaftlich fundiert, aber locker geschrieben.
-
2
Eine konkrete Stelle markieren — Such einen Absatz raus, der dich anspricht, z.B. über den weiblichen Zyklus und Lust. Leg einen Zettel rein.
-
3
Sag: „Lies mal Seite 47 – das finde ich total spannend“ — Das ist eine Einladung, die nicht wie ein Angriff wirkt. Dein Partner kann das Buch in Ruhe lesen, und ihr habt ein gemeinsames Thema.
Direkt nach dem Sex eine kurze, offene Frage stellen, um Feedback zu bekommen.
-
1
Den richtigen Moment abpassen — Direkt nach dem Höhepunkt, wenn ihr noch eng umschlungen liegt. Dann ist die Oxytocin-Wirkung am höchsten und die Abwehr niedrig.
-
2
Eine einfache Frage stellen — Frag: „War das heute gut für dich? Gibt’s was, das du anders haben wolltest?“ Klingt verletzlich, aber genau das schafft Vertrauen.
-
3
Nicht rechtfertigen – nur zuhören — Wenn dein Partner etwas kritisiert, sag erst mal nur „Danke, das merke ich mir“. Kein „Ja, aber…“.
Wenn ihr nach mehreren Versuchen immer noch nicht über Sex reden könnt, ohne dass einer weint oder wütend wird, sucht euch eine Paartherapeutin. Auch wenn einer von euch das Gespräch komplett verweigert, ist das ein Zeichen, dass professionelle Hilfe nötig ist. Und wenn es um körperliche Schmerzen beim Sex geht, geht zum Arzt oder zur Ärztin – das ist kein Beziehungsthema mehr.
Über Sex zu reden wird nie ganz leicht – und das ist okay. Es bleibt ein bisschen peinlich, weil wir uns verletzlich machen. Aber genau diese Verletzlichkeit ist es, die euch näherbringt. Fang klein an. Ein Satz. Eine Frage. Ein Buch auf dem Nachttisch. Der Rest kommt mit der Zeit. Und wenn nicht, habt ihr immer noch die Chance, es immer wieder zu versuchen. Das ist ja das Schöne an langen Beziehungen.
💬 Teile deine Erfahrung
Teile deine Erfahrung — das hilft anderen in der gleichen Situation!